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Schulenrode

Geschrieben von Ortsheimatpfleger Horst Klatte
Der Flügelaltar der Kirche in Schulenrode zeigt die Anbetungsszene der heiligen drei Könige. Foto: Horst Klatte

Schulenrode ist mit zurzeit 280 Bewohnerinnen und Bewohnern die kleinste Ortschaft der Gemeinde Cremlingen.

Der Stamm des Ortsnamens Schulen- hat die Bedeutung schützen, verbergen und geht auf ein urgermanisches Verb *skūlijaną zurück, das sich auch im Niederländischen als schuilen wiederfindet und im Hochdeutschen ausgestorben ist. Es findet sich auch im Ort Schulenberg im Oberharz wieder. Die Endung „‑rode“ bedeutet schlicht, es ist eine Rodungssiedlung des frühen Mittelalters, sodass der Ortsname „verborgene Waldsiedlung“ zu Schulenrode passt, da sie sich einst am dicht bewaldeten Rand des Elm befand. Und der im Titel genannte Wahlspruch der Schulenröder bis heute stimmt.

Erstmals erwähnt wurde der Ort 1265 in einer Lehnsurkunde als Sculenrothe. Bertram von Veltheim überließ dem St. Blasiusstift in Braunschweig eine „Hufe“ seines Landes. Mit dem Begriff Hufe bezeichnete man zu der Zeit sowohl Hofstellen, das Eigentumsrecht für die Ländereien als auch die Nutzungsrechte am gemeinschaftlichen Eigentum.

Der Lage entsprechend war der Ort lange Zeit eine kleinbäuerliche Siedlung und dem Patronat der Familie von Veltheim in Destedt unterworfen. Die früheren landwirtschaftlichen Kleinbetriebe, die den Ort prägten, wurden nach und nach aufgegeben. Bewirtschaftet werden die Ackerflächen der Feldmark heute von Betrieben in der Nachbarschaft.

Umso überraschender ist es, dass im Ort schon früh eine Kirche erbaut wurde, die dem Heiligen Georg geweiht ist. Man nimmt an, dass sie wie viele Kirchen in der Umgebung im 13. bis 14. Jahrhundert errichtet wurde. Bei der evangelischen Pfarrkirche handelt es sich um einen gotischen Bau, an dem im 15. Jahrhundert ein Chor angefügt wurde. Im Altarraum der Kirche steht der wuchtige Taufstein aus Elmkalk aus dem Jahr 1658. Er ist ein wundervoll erhaltenes Schmuckstück barocker Steinmetzkunst.

20110930 Schulenrode 0001Die Schulenroder Kirche ist dem Heiligen Georg geweiht. Sie entstand wahrscheinlich im 13. oder 14. Jahrhundert. Foto: Petra Klatte

Auch der – ebenso – für einen kleinen Ort wie Schulenrode nicht zu erwartende Flügelaltar ist von großem, kunsthistorischem Wert. Auf ihm wird die Anbetungsszene der heiligen drei Könige dargestellt. Maria als gekrönte Madonna mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß ist das zentrale Motiv und der Namensgeber der Kirche St. Georg zeigt sich sehr eindrucksvoll im Kampf mit dem Drachen.

Überliefert ist, dass Hans Markgreve aus Braunschweig 1474 alle Figuren individuell schnitzte. Ursprünglich waren sie bunt bemalt, aber bei Renovierungsarbeiten in den 60er-Jahren wurde die Farbe wieder abgetragen, sodass der Betrachter die Feinheit der Schnitzarbeit bewundern kann. Im Altarraum wurden später bei einer gründlichen Restaurierung die oberen Kalkfarbschichten an den Wänden abgetragen. Man zählt insgesamt acht übereinandergelegene Farbschichten und fand darunter wunderschöne Rankenmalereien aus dem Mittelalter.

Die Kirche ist von alten Fachwerkhäusern umgeben, die aus dem 18. bis 19. Jahrhundert stammen. Das älteste Gebäude des Ortes ist Teil eines Dreiseithofes und wurde 1724 errichtet, die dazugehörende Scheune zeigt mit ihrer Inschrift, dass sie 1856 erbaut wurde. Neben der Kirche findet sich das alte Pfarrwitwenhaus, das wie viele Fachwerkhäuser des Ortes in liebevoller Kleinarbeit von seinen Besitzern restauriert wurde.

Einen Schulbetrieb gibt es in Schulenrode nicht mehr. In der ehemaligen Einklassenschule wurden von 1897 bis 1958 alle Jahrgänge bis zur achten Klasse in einem Raum unterrichtet. Zum Gebäude gehörte eine Lehrerwohnung für den Dorfschullehrer mit einem Gartengrundstück. Um den denkmalgerechten Erhalt des Gebäudes kümmern sich seit geraumer Zeit die Käufer und Bewohner des ehemaligen Schulhauses.

20111023 Schulenrode 0002Das Luftbild wurde aus einem Doppeldecker aufgenommen. Foto: Manfred Härtel

Im Ort befinden sich noch viele weitere Gebäude, die das Leben der letzten 100 bis 300 Jahre widerspiegeln. So z. B. das 1903 erbaute ehemalige Gasthaus „Jägerhof“ mit Saalbetrieb am Ortseingang, das zugleich auch als Poststelle und Ausspann für Fuhrwerke verwendet wurde, oder der Streckhof am Eingang des Sickter Wegs, bestehend aus eng hintereinander gebauten Wohn-, Stall-, Scheunen- und Schuppentrakt.

Im historischen Dorfkern liegt der „Lindenberg“, er ist sage und schreibe drei Meter hoch. Die Linde ist daher Teil des Schulenroder Wappens. Leider konnte eine der drei alten Linden nicht mehr gerettet werden, sodass sie durch eine neue kleine ersetzt wurde. Fast natürlich war es für die Schulenröder ein Anlass, im Frühjahr 2017 den Baum, verbunden mit einem Volksfest, zu begrüßen und einzupflanzen.

Der Feuerlöschteich des Ortes wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern augenzwinkernd als das Schwimmbad für besondere Anlässe bezeichnet. Er ist genauso tief, wie der Berg hoch ist und bot 2016 mit dem Titel „Löschteich in Flammen“ die Gelegenheit, ein Fest mit vielen Attraktionen zu feiern, das bis heute in bester Erinnerung geblieben ist.

Eigenleistung - der Begriff passt zum Leben im Ort bei vielen kleinen und großen Projekten. Das Schützen- und Sportheim wurde 1985 errichtet. Es fügt sich architektonisch in das dörfliche Ambiente des Ortes ein. Das in den 90er Jahren ebenfalls mit vielen freiwilligen Helfern erweiterte Feuerwehrgerätehaus, das bis heute den gestiegenen Ansprüchen nach dem Erhalt eines modernen Fahrzeugs 2023 genügt, sind Beispiele dafür. Auch die Ausstattung des Spielplatzes mitten im Ort mit vielen Spielgeräten, einem Bolzplatz und einer Schutzhütte, die für viele Familienfeste zur Verfügung steht, ist Ergebnis von mehreren gemeinschaftlichen Arbeiten.

Die vielfältigen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Jubiläumsfeier 2015 zur ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes Schulenrode haben die Dorfgemeinschaft über die Vereinsgrenzen hinweg sehr geprägt. Auf dieser Grundlage war es möglich, weiter die Organisation vieler Feste anzugehen, und mit dem Oktoberfest, dem Rapsblütenfest, dem Almabtrieb und für 2025 einem „Gallierfest“ gute Ideen zu verwirklichen. Ein weiterer wichtiger Teil der gelebten Dorfgemeinschaft sind auch die seit Jahren regelmäßig angebotenen Treffen zum Osterfeuer, die „Glühweinfeste“ am Lindenberg und die Kinoabende in der Kirche. Diese Feste bringen immer neue Impulse für das Zusammenleben im Ort und bei ihnen wird in großem Maße für das leibliche Wohl der Besucherinnen und Besucher gesorgt.

Kontakt

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Ostdeutsche Straße 22
38162 Cremlingen
Telefon: 05306 / 802-0
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Dienstag 14:00 - 17:00 Uhr
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