Klein Schöppenstedt

Der westlichste Ortsteil der Gemeinde Cremlingen, an der Ortsgrenze zur Großstadt Braunschweig gelegen, hat eine über 800-jährige wechselvolle Geschichte zu bieten. Ein Teil dieser Geschichte spiegelt sich auch im 1991 gestalteten Wappen wider.
Der dreigeteilte Wappenschild zeigt im blauen Schildhaupt die obere Hälfte eines steigenden Löwen in Gold, in der Herzstelle eine rot/weiße Zisterzienserraute und im Schildfuß in Gold zwei blaue Pflugmesser. Mit dem steigenden goldenen Löwen wird an die Zugehörigkeit der Ortschaft zum ehemaligen Landkreis Braunschweig erinnert. Die enge Verbundenheit mit dem Kloster kommt nicht nur im Ortsnamen Mönche Schöppenstedt zum Ausdruck, sondern auch die Zisterzienserraute im Wappen soll diese Abhängigkeit symbolisieren. Der untere Teil mit den stilisierten Pflugmessern soll an die über lange Zeit prägende Landwirtschaft erinnern.
Der Ortsname
Ortsnamen mit dem Grundwort -stedt (altgermanisch „besiedelte Stelle“) werden den ältesten Siedlungen in unserer Heimat zugerechnet. Forscher sehen hier einen Entstehungszeitraum um 300 bis 500 n. Chr. Über die Bedeutung des Ortsnamens allerdings herrscht Unklarheit. Das Bestimmungswort könnte einem Personennamen „Sceppo“ zugeschrieben sein, oder auch dem altgermanischen Wort „skippa“, was so viel heißt wie „an einer schiefen Ebene gelegen“. Auch dieses könnte zutreffen, betrachtet man den Ort am höhergelegenen Uferstreifen des ehemals sumpfigen Urstromtals der Wabe.
Das Kloster Riddagshausen
Das Datum der ersten urkundlichen Erwähnung finden wir jedoch erst sehr viel später auf etlichen Urkunden im 13. Jahrhundert. Das in der Nähe liegende Kloster Riddagshausen beeinflusste seit seiner Gründung 1145 die weitere Entwicklung unseres Ortes bis ins 20. Jahrhundert maßgeblich. Die älteste Urkunde von 1214 handelt von einem für die damalige Zeit ungeheuren Vorgang. Die Bauern von „parvo scepenstede“ (Klein Schöppenstedt) wurden gegen Mönche vom Kloster handgreiflich und nahmen ihnen sogar die Pferde fort, weil sie überzeugt waren, dass der Holzeinschlag im Wald Stuthe nur ihnen zustand. Für diese Ungeheuerlichkeit wurden sie vom Abt von Riddagshausen in den Kirchbann gelegt. In der Folgezeit bemühten sich hochrangige geistliche und weltliche Würdenträger wie der Bischof von Halberstadt und sogar der Erzbischof von Magdeburg sowie der Truchseß (Hofbeamter) Gunzelin von Wolfenbüttel um eine Abmilderung der schweren Strafe. Nachdem die Bauern zu Kreuze gekrochen waren und reumütig Abbitte geleistet hatten, konnte im Jahre 1214 dieser Streit mit einer von vielen Siegeln versehenen Urkunde endlich beigelegt werden. Dieses Datum gilt als erste urkundliche Erwähnung und war der Grund für die 800-Jahr-Feier im Juni 2014.
Die Mönchsteiche erinnern heute noch an die Zugehörigkeit zum Kloster Riddagshausen. Foto: Frank Schildener
Der Ort wird dem Kloster gehörig
Der Ort ging nach diesem Vorfall schon bald in den Besitz des Klosters über.
Durch weitere umfangreiche Tauschgeschäfte und Schenkungen gelang es dem Kloster bis 1230, die gesamte Dorfgemarkung mit über 720 Morgen Land in seinen Besitz zu bringen.
Wie bei den Zisterziensern üblich, errichteten sie im Dorf einen eigenen Wirtschaftshof, eine sogenannte Grangie, die von einem Verwalter geführt wurde. Die Bauern, die diese Flächen vorher bewirtschafteten, wurden vertrieben und mussten sehen, wo sie mit ihren Familien unterkamen. Die Arbeit auf Feld, Hof und im Stall verrichteten jetzt nichthörige Laienbrüder. Die Grangien kamen aber schon 100 Jahre später in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ab 1330 wurden sie daher wieder aufgelöst und das Land mit hörigen Bauern besetzt. Das Kloster war aber immer noch alleiniger Eigentümer des Landes und überließ es nur zur Nutzung gegen Zahlung eines jährlichen Erbzinses dem Pächter. Erstmals taucht jetzt aus Gründen der Zugehörigkeit der Name „moneke scepenstede“ (Mönche Schöppenstedt) auf. Mit einigen geringfügigen Änderungen bleibt dieser Ortsname bis 1921 erhalten. Das braunschweigische Staatsministerium setzt zu diesem Zeitpunkt den endgültigen Namen Klein Schöppenstedt fest.
Die romanische Kirche mit ihrem markanten Fachwerkanbau liegt im Zentrum des alten Dorfes. Foto: Frank Schildener
Die Neubesiedlung ab 1330 fand südlich der alten Handels- und Heerstraße als Zweireihendorf statt und dürfte in der Form und Aufteilung dem heutigen Altdorf entsprechen. Es entstanden vier Ackerhöfe und zehn Kotsassenhöfe sowie ein Kleinkötherhof. Diese Anordnung der Höfe hatte bis zur Generallandesvermessung 1751 Bestand. Bis 1834 war das Kloster weiterhin Grundherr, Herrschaft und Zehntherr des Dorfes. Mittelpunkt des alten Ortskerns ist die romanische Kirche. Wann dieses älteste Gebäude Klein Schöppenstedts mit dem auffallenden Turm auf der Ostseite erbaut wurde, ist nicht überliefert. Nach der Christianisierung im Frühmittelalter (600–1000 n. Chr.) wurden viele Gotteshäuser gebaut. Besonders entlang der großen Heerstraßen wurden in den Dörfern neue Kirchen und Kapellen errichtet, um den Reisenden, Pilgern und auch den Einheimischen die Einkehr zum stillen Gebet zu ermöglichen. Ein weiterer Anziehungspunkt dürften die in der Kirche deponierten heiligen Reliquien gewesen sein. Eine Infotafel an der Kirche informiert mit weiteren Details.
Mit zunehmender Zeit nach dem 2. Weltkrieg entwickelt sich Klein Schöppenstedt aufgrund der Nähe zur Stadt Braunschweig vom reinen Bauerndorf zur Pendler-Wohngemeinde. Die noch aktiven Vereine wie Sport- und Schützenverein, Seniorenkreis und Kirchengemeinde sowie die Freiwillige Feuerwehr prägen das heutige kulturelle Leben in unserer Gemeinde am Rande einer Großstadt.
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