Hemkenrode

Hemkenrode wurde erstmals 1329 erwähnt. In jenem Jahr übertrug der Ritter von Sambleben dem Kloster Riddagshausen zur Seelentröstung seiner Eltern zwei Hufen Land aus seinem Besitz in Hemkenrode. Der Ort bestand jedoch schon vorher, denn in einer Urkunde aus dem Jahre 1348 schenkt Herzog Magnus I. von Braunschweig der Kirche Hemkenrode durch Heinrich von Veltheim zu Destedt den Zins von 8 Schillingen.
Vermutlich sollte diese Schenkung zur Finanzierung eines grundlegenden Umbaus der vorhandenen romanischen Kirche verwendet werden. Jedoch erst 100 Jahre später, im Jahre 1448, wurde die Kirche im frühgotischen Stil umgebaut. Vermutlich fällt die Entstehungszeit des Dorfes in das 12. Jahrhundert, denn in diesen Zeitraum fallen die Gründungen der meisten Rodedörfer zwischen dem Elm und der Stadt Braunschweig.
Die Urkunde von 1348 nahm man 1948 zum Anlass, eine 600-Jahr-Feier des Ortes auszurichten. Die frühere Urkunde von 1329 war zu dem Zeitpunkt wohl noch nicht bekannt. Ein großer Findlingsstein aus Granit zwischen der Eiche und dem Feuerwehrgerätehaus erinnert an dieses Ereignis. Er lag einst in der Feldmark Hemkenrode, wo sich heute der Kalkweg befindet. Der schwere Stein ist während der Eiszeit durch gewaltige Gletschermassen aus Skandinavien nach hier transportiert worden. Die lateinische Inschrift auf dem Gedenkstein lautet: VIVAT, CRESCAT, FLOREAT (lebe, wachse, blühe). Die hohe Eiche vor dem Dorf, die das Dorfbild wesentlich prägt, wurde nach dem Sieg über Frankreich als Friedenseiche am zweiten Ostertag 1871 gepflanzt.
Der Gedenkstein wurde zur 600-Jahr-Feier 1948 errichtet. Foto: Archiv Klaus Becker
Hemkenrode war einst ein reines Bauerndorf mit Ackerhöfen, Halbspännerhöfen, Kothöfen, Brinksitzern und Häuslingen. Die Brinksitzer besaßen allerdings nur wenige Morgen Acker und übten hauptsächlich einen Beruf aus, der der Landwirtschaft nahe stand, z.B. Stellmacher, Schmied, Schneider, Korb- und Kiepenmacher, Schuster, Maurer, Bäcker. Die Häuslinge besaßen im Allgemeinen keinen Acker und gingen lediglich einem Beruf nach. Viele schöne landwirtschaftliche Fachwerkgebäude zeugen noch von dieser Zeit. Die Wohnhäuser und Stallungen sind aus Elmkalkstein und Lehmfachwerk aufgebaut und passen sich so vorzüglich dem Charakter der Landschaft an. Bei dem Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ im Jahr 1999 wurde der Ort als schönstes Dorf prämiert.
Die Bauern waren einst den Herren von Veltheim zu Destedt an festgelegten Tagen im Jahr mit Gespann und Leuten dienstverpflichtet. Erst nach 1834 war es ihnen möglich, sich durch Zahlung einer einmaligen Ablösesumme von dieser Pflicht „freizukaufen“. Nun konnten sie sich ausschließlich ihrer eigenen Landwirtschaft widmen und brachten es durch ihren Fleiß zu Wohlstand.
Die Bauern besaßen und besitzen bis heute Waldanteile, die sie privat bewirtschafteten und bis heute bewirtschaften. Da der Elm reich an Kalksteinvorkommen ist, haben viele in ihrem Waldanteil Kalkstein zum eigenen Gebrauch, aber auch zum Verkauf, gebrochen. Tiefe Kuhlen im Wald zeugen noch davon, ebenso die zahlreichen Mauern im Dorf, die das Ortsbild wesentlich prägen.
Gab es nach dem 2. Weltkrieg noch 13 landwirtschaftliche Betriebe hier im Ort, betreibt heute nur noch ein Landwirt Landwirtschaft.
Das Gesicht des Dorfes ist nach Westen zugewandt und blickt auf Braunschweig, Und so pendeln auch viele Einwohner zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen in diese Stadt. Hemkenrode hat zur Zeit. 380 Einwohner und gehört seit 1974 der Einheitsgemeinde Cremlingen an.
Die 1878 gegründete Freiwillige Feuerwehr gewährleistet bis heute, gut ausgebildet und hoch motiviert, den Brandschutz in der Gemeinde. Über 100 Personen gehören der Wehr an, darunter viele Förderer. Mit zahlreichen Veranstaltungen trägt die Wehr sehr zum geselligen Leben im Dorf bei.
Feuerwehrjubiläum im Jahr 1928. Foto: Archiv Klaus Becker
Wegen seiner vorzüglichen Lage und der Nähe zu Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter sind Bauplätze im Ort sehr begehrt, sodass sich der Ort nach Osten und Süden erheblich erweitert hat. Die Neubürger fühlen sich in dem Dorf wohl und haben sich in das Dorfleben gut integriert.
1904 wurde ein Kilometer südlich des Ortes zur Bau- und Düngekalkgewinnung ein Kalkwerk erbaut, das seine Produktion 1942 jedoch einstellte. 1946 wurde das Werk in mühevoller Arbeit wieder aufgebaut und unter seinem Direktor Josef Schnuch zu einem modernen und leistungsfähigen Kalkwerksbetrieb ausgebaut.
Bis zum 2. Weltkrieg wurde der Kalkstein wenige hundert Meter oberhalb des Werkes gebrochen und in Loren zur Weiterverarbeitung zum Werk gefahren. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Kalksteine mit einer Drahtseilbahn aus dem 3000 Meter entfernten Steinbruch im Destedter Forst zum Werk transportiert. Ab 1954 wurde auch Zement produziert und der Firmenname in „Elmkalk- und Zementwerke J. Schnuch KG“ geändert. Für viele Beschäftigte ließ das Werk in Hemkenrode Häuser und Wohnungen bauen. Die Straße wurde nach dem Direktor „Josef-Schnuch-Straße“ benannt. Bis 1977 produzierte das Werk, das in Westdeutschland und Westeuropa einen vorzüglichen Namen erworben hatte, Bau- und Düngekalk und Zement. 100 bis 120 Personen fanden nach dem 2. Weltkrieg dort Arbeit.
Kalkwerk Hemkenrode um 1960. Foto: Archiv Klaus Becker
Das beliebte Freibad am Elm bei Hemkenrode, das viele Badegäste aus Kreis und Stadt anzieht, wurde 1962/63 an einer ergiebigen Quelle erbaut. Mit seinen großen Liegewiesen, Spielplätzen und durch seinen großen Baumbestand wird dieses Bad besonders gern von Familien aufgesucht.
Ein frühes Foto der Ortschaft aus dem Jahr 1911 zeigt ein Ereignis, das für Hemkenrode bedeutend war. Der Prinzregent des Herzogtums Braunschweig, Johann Albrecht von Mecklenburg (Regent von 1907 bis 1913), besuchte auf einer Rundreise durch den Kreis Braunschweig auch Hemkenrode und begrüßte die angetretenen Mitglieder des Kriegervereins.
Prinzregent Johann Albrecht von Mecklenburg (mit hellem Mantel) begrüßt auf der Durchfahrt im Jahr 1911 den Kriegerverein Hemkenrode. Foto: Archiv Klaus Becker
Kontakt
Gemeinde Cremlingen
Ostdeutsche Straße 22
38162 Cremlingen
Telefon: 05306 / 802-0
Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag 09:00 - 12:00 Uhr
Dienstag 14:00 - 17:00 Uhr
Freitag geschlossen
Kontoverbindung
Volksbank Wolfenbüttel-Salzgitter
IBAN: DE 84 2709 2555 4107 1069 00
BIC: GENODEF1WFV





