Gardessen

Gardessen hat rund 600 Einwohner und liegt 15 km östlich von Braunschweig. Es gehört seit 1974 zur Gemeinde Cremlingen im Landkreis Wolfenbüttel. Gardessen liegt etwas abseits des alten Handelsweges von Köln über Braunschweig nach Magdeburg, der heutigen B1. Die Ausläufer des 146 Meter hohen Roten Berges reichen bis an den östlichen Ortsrand heran.
Der Ort wird 1214 erstmals urkundlich erwähnt, als das Bonifatiusstift in Halberstadt hier ein Vorwerk besaß. „Propst Anno verzichtet auf die Verwaltung der Stiftsgüter und begnügt sich mit dem Vorwerk in Gerdessem, dem Archidiaconat von Kecklingen und dem Zehnten von Emersleben, von dem er jährlich 30 Marktscheffel Weizen und 20 Marktscheffel Gerste an die Canoniker abgeben will.“
Hierbei handelte es sich nicht um die Ortsgründung, sondern um die Regelung der Verwaltung der Stiftgüter. Demnach ist der Ort schon viel älter. Der Name Gardessen tritt erstmals im Jahr 1315 nach der ursprünglichen Schreibweise Gerdessem auf. Urkunden aus den Jahren 1270 und 1275 entnehmen wir die Schreibweise Gedershem, 1311 schrieb man Gherdesem, 1496 Gardeshen prope Appenrode, 1627 Gardeszen und Garszem.
Der sogenannte „Allod“ in Gardessen war nach mittelalterlichem Recht ein lehensfreier, dem Lehnsträger persönlich gehörender Grund und Boden, d. h., es war ein „Freigut“. Im Jahre 1270 oder 1275 verkaufte das Bonifacii-Stift Halberstadt zehn in der Gemarkung Gardessen gelegene Hufe Land (das sind etwa 300 Morgen oder 75 ha) an den Herzog Albrecht von Braunschweig.
Der Kirchturm wacht in Gardessen über jung und alt.Die Pfarrkirche Martinus wurde 1315 erstmals erwähnt. Vermutlich um 1050 wurde die erste Kapelle hier im Ort gebaut. Nach mehreren Umbauten in den Jahren 1472, 1628 und 1792 wurde im Jahre 1900 eine erhebliche Raumerweiterung durch die Anfügung eines südlichen Querschiffes, der nördlich gelegenen Sakristei und der nordöstlich angefügten Apsis erzielt. Daher die besondere Form der Kirche „St. Martin“. Die Höhe des Kirchturms, der bereits 1802 errichtet wurde, beträgt 35,40 Meter.
Ein Pfarrsitz wird 1534 und 1568 bezeugt, später war die Kirche Mutter von Ampleben. Das Patronat hatte 1733 und 1802 der Dompropst in Halberstadt. Gardessen war einst Gogrefschaft. Gogrefen waren politische Verwaltungsbeamte jener Zeit. 2014 feierte Gardessen sein 800-jähriges Jubiläum. Um 1500 n. Christus hatte Gardessen 140 Einwohner und war damit genauso groß wie Wolfenbüttel. Erst im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Zahl der Einwohner auf den heutigen Stand von rund 600 an. In damaliger Zeit wurde der Unterhalt meist als Bauer oder Handwerker verdient.
Schöne Ansicht eines Bauernhofes, direkt am Sandbach.Der Ort wurde rechts und links um den Sandbach herum erbaut. Viele alte Hofanlagen wurden in Wohnhäuser umgewandelt und rahmen idyllisch den Ortskern mit der romanischen Kirche. Im Rahmen der Dorferneuerung 1986–1992 wurde verhindert, dass eine gerade Durchfahrtsstraße direkt durch den Ort geführt wurde. So hat die Ortschaft Ihren ursprünglichen und historisch gewachsenen Straßenverlauf beibehalten.
Schöne Fachwerkansicht in einem Dreiseithof.Das Wappen von Gardessen existiert seit 1983. Im Wappen befindet sich rechts auf blauem Grund ein Wehrturm, der einst im Ort stand, und links auf goldenem Grund eine blaue Muschel. Im Schildfuß befindet sich ein Wellenband. Der Wehrturm erinnert an die Kikelborch, einen früheren Wachturm gegen die damals an den Ufern der Elbe siedelnden Slawen, der östlich der heutigen Dorfkirche gestanden haben soll. Die Muschel weist auf den Kalkstein in der Umgebung hin, in dem sich dieses Fossil häufig finden lässt. Gardessen wurde an den Ufern des Hühnerbeek, heute Sandbach, gegründet, worauf das Wellenband im Schildfuß hindeutet.
Im Zentrum von Gardessen: Das 1852 errichtete Gutshaus, dann Schule und heute Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrgerätehaus. Davor der Dorfplatz und Spielplatz, der „Alte Schulhof“.Gardessen hat ein blühendes Gemeinwesen mit einem aktiven Vereinsleben, dessen Mittelpunkt das Dorfgemeinschaftshaus bildet, das früher die Schule des Dorfes, inkl. Lehrerwohnung beherbergte. Der Schulbetrieb, welcher aus einer Einklassenschule die Jahrgänge 1–8 unterrichtete, wurde 1967 eingestellt. Heute ist es das Dorfgemeinschaftshaus mit der Gaststätte „Alte Schule“ und dem nebenan gebauten Feuerwehrgerätehaus.
In diesem Gerätehaus ist die Freiwillige Feuerwehr beheimatet. Diese existiert schon seit dem Jahr 1873. Was die Gründer der freiwilligen Feuerwehr Gardessen schufen, wurde über Jahrzehnte bewahrt und ständig verbessert. Die Ortschaft Gardessen hat auch einen sehr aktiven Seniorenkreis, der sich das ganze Jahr über regelmäßig trifft und auch sehr schöne Ausflüge unternimmt. Dieser besteht nun schon seit dem Jahr 1970. Weitere Vereine im Ort sind der Karnevalsverein Sandbach-Narren, die Singgemeinschaft Gardessen, die Marktgruppe Gardessen und der Hobbykreis. Leider hat Gardessen keinen eigenen Sportverein. Hier gibt es einen gemeinsamen Sportverein, den MTV Schandelah-Gardessen. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus befindet sich der Dorfplatz mit einem der beliebtesten Spielplätze für unsere Jüngsten im Ort. Das Leben der Bewohner*innen, ob jung oder alt, spielt sich im im Herzen der Ortschaft ab, auf dem Dorfplatz, der heute noch „Alter Schulhof“ genannt wird.
Ortsbürgermeister Wittberg neben dem im Jahr 2000 gestifteten Dorfstein.Stolz ist Gardessen auch unter anderen auf einen Gewerbebetrieb, die Schlachterei Fuchs. Was gab es nicht für Betriebe in Gardessen. Eine Molkerei, einen Schmied, eine Schlosserei, einen Tischler und Stellmacher, eine Gärtnerei, eine Ziegelei, eine Bäckerei und Gemischtwarenläden, mehrere Gaststätten, und, und, und! Geblieben ist die Schlachterei von Familie Fuchs, die weit über die Ortsgrenzen bekannt ist und so ihre Kundschaft anzieht.
Was vor über 800 Jahren begonnen und seitdem Geschichte geschrieben hat, wird noch heute durch die Ortsbewohner*innen mit vielen beruflichen und Freizeitaktivitäten fortgeführt.
Kontakt
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Ostdeutsche Straße 22
38162 Cremlingen
Telefon: 05306 / 802-0
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