Abbenrode

Direkt an der B1 zwischen Cremlingen und Königslutter, schmiegt sich das reizvolle Abbenrode an den nordwestlichen Fuß des Elms. Das Dorf zählt rund 500 Einwohner und besticht durch einen historischen Kern mit charakteristischen Fachwerkhäusern, ergänzt durch die Wohngebiete „Brückenteich“ und „An der Mühle“. Die Geschichte des Ortes reicht bis ins Jahr 1086 zurück, als er unter dem Namen „Abbenrothe“ erstmals urkundlich erwähnt wurde – eine Bezeichnung, die auf eine gezielte Rodung hindeutet. Gegründet vom Benediktinerkloster Ilsenburg im damaligen Bistum Halberstadt, liegen die Ursprünge der Siedlung vermutlich rund um die Heimesod-Quelle im Unterdorf.
Die Kirche erhebt sich malerisch auf einem Hügel in der Dorfmitte. Foto: Michael ChowanietzAuf einer Anhöhe erbaut, überragt die Pfarrkirche St. Peter und Paul das historische Altdorf. Einst im 12. Jahrhundert vermutlich als romanische Schutzkirche errichtet, bot ihr Turm freien Blick auf die strategisch wichtige Heer- und Handelsstraße. Wer genau hinsieht, entdeckt an der Fassade noch heute die Spuren jahrhundertelanger Umbauten. Direkt daneben beeindruckt das Pfarrhaus von 1771 als prachtvolles Fachwerk-Juwel, während gegenüber die alte Schule von 1882 – heute ein lebendiger Kindergarten – die Brücke zur Moderne schlägt.
Postkartenansicht des Elmdorfes von 1899. Bild: Michael ChowanietzDas harmonische Bild rund um den Rodeweg ist das Ergebnis eines Neuanfangs nach der Katastrophe: Ein verheerendes Feuer zerstörte 1857 insgesamt 28 Gebäude. Der zügige Wiederaufbau im Folgejahr schenkte dem Kern sein heutiges, geschlossenes Gesicht. Als 1970 der Platzmangel zur Aussiedlung von vier Bauernhöfen zwang, nutzte die Gemeinde die Chance zur Ortskernsanierung. Ställe und Dachböden wurden zu Wohnraum, Baulücken vermieden. Dieses Engagement wurde im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden, Unser Dorf hat Zukunft“ 1993 mit Silber und 2004 mit Bronze prämiert.
Das schon von weitem sichtbare Wahrzeichen des Ortes, die Bockwindmühle, wurde 1880 erbaut. Ein besonderes Zeitzeugnis schuf der Hobbyfilmer G. Bode aus Königslutter, der 1960 ein Jahr lang den Arbeitsalltag von Erich Röhl – dem letzten Windmüller des Braunschweiger Landes – filmisch dokumentierte. Die Mühle wurde 2022 aufwendig saniert und wird heute liebevoll durch die Mitglieder des Mühlenvereins gepflegt. Der Verein betreut auch zahlreiche Führungen für Schulklassen und private Gruppen und hält so die Geschichte lebendig.
Blick auf das Mühlencafe in Abbenrode. Foto: Tanja HirthIn direkter Nachbarschaft zur Abbenroder Windmühle befindet sich das Mühlencafé, das im einstigen Müllerwohnhaus untergebracht ist. Das Café besticht durch seine landschaftlich reizvolle Lage mit weitem Blick über das Braunschweiger Land. Während im Erdgeschoss Gastronomie geboten wird, beherbergt die obere Etage eine Heimatstube, die das Leben um 1900 dokumentiert.
Neben dem Müller zählte der Schmied zu den zentralen Figuren des Dorflebens – eine Rolle, die Otto Arnemann bis ins hohe Alter in seiner traditionellen Werkstatt ausfüllte. Die Schmiede war so authentisch erhalten, dass sich selbst ein Handwerker aus dem Jahr 1900 dort sofort heimisch gefühlt hätte. Wie aus diesem historischen Ort moderner Lebensraum für zwei Familien wurde, zeigt die NDR-Dokumentation „Die Nordstory: Wohnträume in alten Höfen“. Der Umbau dient als Beispiel dafür, wie der charakteristische Charme eines alten Gebäudes bewahrt und gleichzeitig zeitgemäßes Wohnen realisiert werden kann.
Impression von der Demontage der Mühle zru Sanierung. Foto: Tanja HirthAuch Abbenrode erlebt einen Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe. Heute halten vier Höfe die Tradition aufrecht und bestimmen mit Ackerbau, Milchviehwirtschaft und Schweinemast das Bild des Dorfes und der Umgebung. Das gewohnte Bild von Kühen auf der Weide, Traktoren im Ort und Mähdreschern auf dem Kornfeld bleibt ein wesentlicher Bestandteil des lokalen Lebens.
Abbenrode zeichnet sich durch ein lebendiges Dorfleben und ein starkes Vereinswesen aus. Weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist die Fastnachtsgesellschaft Abbenrode. Ihr alljährlicher Faschingsumzug mit prächtigen Wagen, Gardemädchen und den zahlreich verkleideten Narren ist einer der Höhepunkte des Dorfjahres. Das Zentrum der Feierlichkeiten ist die sogenannte „Stadthalle“ – das Dorfgemeinschaftshaus Abbenrode, das seit 1977 den perfekten Rahmen für diese und viele weitere Veranstaltungen bietet.
Die Heimesod-Quelle im Unterdorf. Foto: Tanja HirthZusätzlich zum Fasching zieht der Weihnachtsbasar der Lebenshilfe in der Adventszeit zahlreiche Gäste nach Abbenrode. Die dortige Werkstatt der Lebenshilfe Braunschweig e.V. besteht seit 1974 und gilt mit rund 250 Beschäftigten als der größte Gewerbebetrieb des Ortes. Ein wichtiges Fundament der Dorfgemeinschaft ist die Freiwillige Feuerwehr Abbenrode, die im Jahr 2024 stolz auf ihr 150-jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Besonders bemerkenswert ist ihr historischer Mut: Bereits 1974 – vier Jahre bevor der Niedersächsische Innenminister die rechtliche Grundlage dafür schuf – integrierte die Wehr eine eigenständige Frauengruppe. Damit nahm Abbenrode eine bundesweite Vorreiterrolle in der Gleichstellung der Frauen und Mädchen innerhalb der Feuerwehren ein.
Auch wenn der Sportverein 2023 aufgrund von Nachwuchsmangel seinen Betrieb einstellen musste, bleibt die Hoffnung lebendig, den gepflegten Fußballplatz bald wieder als Ort des Austauschs zu beleben. Bis dahin trifft man sich in der lokalen Gastronomie: Das traditionsreiche Haus „Gasthof zum Berge“ dem schon im Jahr 1680 das Krugrecht verliehen wurde, beherbergt heute das beliebte Restaurant „Hallo Vietnam“ und bleibt damit ein wichtiger Ankerpunkt für die Geselligkeit im Ort.
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