Stele erinnert an Opfer des KZ-Außenlagers in Schandelah-Wohld

Namen und Orte machen das Erinnern und Gedenken greifbarer. Eine Stele benennt seit der vergangenen Gedenkfeier die Herkunftsländer und Namen jener Menschen, die im ehemaligen Außenlager des KZ Neuengamme in Schandelah-Wohld inhaftiert waren und ihr Leben lassen mussten.
Einer dieser Gefangenen und ein Überlebender war Victor Malbecq. Martina Staats, Leiterin der Gedenkstätte der JVA Wolfenbüttel, ließ in ihrem Festbeitrag ihr 2013 geführtes Interview mit ihm Revue passieren. Anfang September 1944 war Malbecq aus Neuengamme in das Außenlager nach Schandelah gekommen. „Ich habe ihn gefragt, ob er auch Anwohner gesehen hat“, berichtete Staats. „Die Leute aus Schandelah kamen am Sonntag, (…) um uns hinter dem Stacheldraht zu sehen. (…) Für die Leute aus Schandelah waren wir Terroristen,“ hatte er ihr geantwortet. „Morgen ist ein anderer Tag“, dieser Gedanke, so Staats, machte ihm im Lager Mut. Nach dem Krieg kam Malbecq 1960 zum ersten Mal wieder nach Schandelah. Im Ort fragte er einen Mann, wo das Konzentrationslager war. „Hier war kein Konzentrationslager,“ war die sofortige Antwort. Umso wichtiger war es ihm, berichtete Staats, zu erinnern. Jedes Jahr erinnerte er in seinen Reden darüber, was geschehen war. Gewünscht hat er sich, so Staats, ein Museum. „Indem wir uns an die Widerstandskämpfer und alle hier im Konzentrationslager Inhaftierten erinnern, verurteilen wir die NS-Verbrechen“, sagte Staats zum Abschluss ihrer Rede. Die Stele am Eingang zur Gedenkstätte erinnert zusammen mit dem Glöckchenbaum genau daran.
„An diesem Ort ist es ganz klar, dass wir die Schrecken des Krieges und der Gewalt weiterhin anprangern müssen“, sagte Mark Van den Driessche, Vorsitzender des belgischen Freundeskreis Neuengamme, in seiner Rede. Die Opfer starben, weil sie sich dem Nazi-Regime widersetzten. Sie starben für unsere Freiheit. „Das dürfen wir nie vergessen“, sagte er.
Uwe Schäfer, stellvertretender Landrat, wies auf die Bedeutung des Gedenkens für die heutige Zeit hin. „Indem wir gedenken, mahnen wir unserer gemeinsamen Werte an“, sagte er. Dies seien Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit. „Nicht die Macht hat das Recht, sondern das Recht hat die Macht“, betonte er. Schäfer forderte auf, nicht wegzusehen, wenn es gelte, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern.
„Schandelah war mir aus der Literatur als besonders brutales Außenlager bekannt. Es steht für die zahlreichen gleichartigen Lager im ganzen Land“, sagte Dr. Achim Rohde, Abteilungsleiter Gedenkstättenförderung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. „Wir haben nichts gesehen, wir haben nichts gewusst, ist unglaubwürdig und war es schon immer“, betonte er. „Die Verbrechen der NS-Zeit waren überall zu sehen“, so Rhode. „Es gibt über 20 Gedenkstätten in Niedersachsen. „Ein Besuch lohnt sich“, schloss er.
Im Anschluss an die Gedenkfeier besichtigten die Teilnehmenden das Nachbargrundstück der Gedenkstätte. Hier sind noch Reste der Grundmauern ehemaliger Baracken zu sehen.
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