Bürgermeister besucht Waldbestattung Cremlinger Horn

Bei einem Besuch der Waldbestattung Cremlinger Horn haben sich Bürgermeister Detlef Kaatz und Cremlingens Ortsbürgermeister Jens Drake kürzlich ein Bild von der Entwicklung der Einrichtung gemacht, die seit ihrer Gründung im September 2017 stetig gewachsen ist. Jüngster Baustein ist die Anfang Juli eröffnete Tierbestattung, auf die Betreiberin Dorothee Borkam fast neun Jahre gewartet hat. Am Ende seines Rundgangs zog Kaatz ein klares Fazit: Die Waldbestattung sei keine Konkurrenz zur kommunalen Friedhofskultur, sondern eine Ergänzung.
Lindenallee und überdachte Andachtsplätze geschaffen
Begonnen habe die Einrichtung mit einem kleineren Parkplatz und Andachtsplatz, erzählt Borkam. 2022/23 sei eine Erweiterung dazugekommen, weil sich gezeigt habe, dass auch große Trauerfeiern mit bis zu 400 Gästen keine Seltenheit seien. Die Andachtsplätze sind überdacht und bieten somit auch bei schlechtem Wetter trockene Sitzgelegenheiten. Beim zweiten großen Parkplatz wurde zugleich die Lindenallee mit über 100 Linden gepflanzt. Für die Zeit nach der Trauerfeier gibt es zudem einen „Ort der Begegnung“ als Alternative zu einer klassischen Restauration, bei dem ein Caterer alles vor Ort organisiert.
Zweiter Antrag überzeugte Genehmigungsbehörde
Ganz reibungslos verlief der Weg dorthin nicht. Kaatz erinnert an die Vorgeschichte: Ein erster Anlauf für eine Waldbestattung in Cremlingen sei nicht genehmigt worden. Erst Jahre später habe man einen neuen Versuch gewagt – dieses Mal erfolgreich, weil der Standard der Einrichtung überzeugt habe. Der Wald diene dabei, auch wenn man das „nicht zu laut sagen“ dürfe, wie er einräumt, ebenso der Erholung. Parkplätze direkt vor dem Wald sowie ein befestigtes Wegenetz ermöglichen den Zugang auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Tierbestattung ermöglicht Ganzkörper- und Urnenbestattung
Im Zentrum des Besuchs stand die im Juli neu eröffnete Tierbestattung. Sie war von Anfang an Teil des ursprünglichen Antrags, verzögerte sich wegen fehlender Kapazitäten aber fast neun Jahre. Betrieben wird sie nicht vom eigenen Betrieb, sondern von einem Tierbestatter aus Braunschweig, der mit seiner langjährigen Erfahrung die Beratung und Begleitung übernimmt. Einrichtung und Pflege der Fläche übernimmt der Eigentümer selbst. Bei der Tierbestattung sind Bestattungen als Ganzkörper, ausgenommen bei großen Tieren wie Pferden, oder auch als Urne möglich. Borkam betont den heute hohen emotionalen Stellenwert von Haustieren und die Beruhigung, die es vielen Angehörigen gebe, ihr Tier „dicht bei sich“ zu wissen. Der Bereich der Tierbestattung solle naturbelassen bleiben – ohne Grabschmuck, Kreuze oder auffällige Schilder. Stattdessen sind kleine hölzerne Stelen vorgesehen, auf denen die Tiere namentlich genannt werden können.
Kaatz ordnet die Entwicklung ein: Über Tierbestattungen werde schon länger diskutiert, inzwischen komme man an dieser Realität aber nicht mehr vorbei. Die Rolle des Hundes habe sich stark gewandelt – früher der Schutz- oder Hofhund, heute oft ein vollwertiges Familienmitglied, das die Familie mitunter zehn bis fünfzehn Jahre begleite. Das Angebot sei „gut durchdacht“ und in vielen Fällen von Anfang an Teil des Grundvertrags gewesen, ohne größere Diskussionen. Er sehe darin zudem ein zusätzliches Argument für den Standort.
Ruhegemeinschaft bietet jetzt mehr Plätze
Beim Spaziergang sprachen Bürgermeister Detlef Kaatz, Ortsbürgermeister Jens Drake und Betreiberin Dorothee Borkam über die Entwicklung der Waldbestattung.Auch bei den klassischen Waldgräbern wächst das Angebot: Ein dritter Belegungsblock ist hinzugekommen, die Erweiterung erfolgt aber bewusst schrittweise. Nicht jeder Baum wird belegt, weil um den Stamm Abstände eingehalten werden müssen, bei großen Kronenbäumen und Eichen aus Sicherheitsgründen 2,50 bis 3 Meter. Als „Waldruheplätze“ gibt es zudem eine günstigere Alternative ohne festen Baumbezug, vergleichbar einer Rasengrabstelle – ein Angebot, das es bei größeren Mitbewerbern nicht gebe. Ein farbiges Markierungssystem an Plaketten zeigt an, ob ein Platz noch frei ist. Unterschieden wird zwischen „rot“ für Einzel-, Paar-, Familien- oder Freundesbäume und „blau“ für die Ruhegemeinschaft. Seit einer Ratsentscheidung zum 1. Januar 2026 sind in der Ruhegemeinschaft nun bis zu 18 Plätze statt vorher 12 möglich.
Einzugsgebiet konzentriert sich auf die Region
Früher habe das Einzugsgebiet rund 50 Kilometer betragen, heute liege der Schwerpunkt im Cremlinger Raum und in Braunschweig, berichtet Borkam. Kaatz sieht das gelassen: Er habe die Waldbestattung nie als Konkurrenz zur kommunalen Friedhofskultur verstanden, sondern immer als Ergänzung – auch angesichts von rund 4000 Beisetzungen im Cremlinger Horn. Beim Standesbeamten der Gemeinde habe er dazu nachgefragt, wie sich die Lage am eigenen Gemeindefriedhof darstelle. Dort gebe es teils noch Erweiterungsflächen, die absehbar nicht mehr gebraucht würden – man müsse abwägen, ob man sie der Natur zurückgebe, etwa als Ausgleichsfläche oder Feuchtgebiet.
Abbaubare Urnen ruhen mindestens 20 Jahre
Bestattet werden auf dem Cremlinger Horn ausschließlich Urnen aus abbaubarem Material wie Holzgranulat oder Maisstärke, die sich im Laufe der Zeit zersetzen. Laut Satzung ist eine Umbettung in den Wald hinein möglich, aus dem Wald heraus dagegen nicht. Die Mindestruhezeit beträgt 20 Jahre und ist verlängerbar. Borkam beobachtet, dass jüngere Generationen keine klassischen Friedhofsgänger mehr seien, Familienstrukturen sich änderten und Grabpflege oftmals berufs- und wohnortsbedingt nicht geleistet werden könne. Ein Vorteil der Waldbestattung sei, dass keine Grabpflege nötig sei. Die Natur übernimmt im Wandel der Jahreszeiten diese „Aufgabe“. Mit der Wahl einer Ruhestätte am Baum gebe es für Angehörige einen jederzeit zugänglichen Bezugs- und Gedenkort.
Biotope und Lehrpfad werten das Gelände auf
Vor dem Wald angelegte Biotope und Teiche hätten sich inzwischen prächtig für Amphibien entwickelt, berichtet Borkam. Die als Friedhof umgewidmete Waldfläche gibt sie mit rund 20 Hektar an, hinzu kommen etwa 2 Hektar außerhalb des Waldes. Kaatz merkt an, das Biotop-Vorhaben sei im Rahmen eines Projekts mit abgesichert worden, er wolle dazu aber noch einmal nachfragen. Eine Bereicherung ist der mit heimischen Sträuchern angelegte Lehrpfad, der mit erklärenden QR-Code-Tafeln versehen werden soll, eine Idee von Borkams Mitinhaber Dr. Christian Schmidt.
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